Individual Network e.V.
Der Individual Network e.V. (IN) wurde 1991 im Roten Rittersaal im Fachbereich Informatik in der Universität Oldenburg gegründet und möglicherweise 2000 aufgelöst. Ich selbst bin seit ca. 1993 Teilnehmer von North.DE, einem GrÜndungsmitglied des IN. Von ungefähr 1995 bis Ende 1998 habe ich in der damaligen Geschäftsstelle des Vereins in Oldenburg gearbeitet und war maßgeblich am ersten und einzigen IN-Kongreß (Aachen), dem Webserver und dem damaligen Network Operation Center (NOC) beteiligt.
Seit meiner Teilnahme an der Regionaldomain North.DE fühlte ich mich den Gedanken des IN verbunden und habe nach und nach auch Aufgaben diesbezüglich übernommen. Bevor ich offiziell in der GS zu arbeiten begann, habe ich mit Andreas Edler die Bearbeitung von Info-Anfragen an in-info@individual.net bearbeitet. Später fiel das in meinen offiziellen Aufgabenbereich in der Geschäftsstelle, wo wir letzendlich auch Papier-Unterlagen und nicht nur Mails verschickt haben.
Kongreß "Netzwerk und Security"
Der Höhepunkt erfolgreicher Arbeit im Individual NEtwork war für mich 1997 die Ausrichtung des Kongresses "Netzwerk und Security" in Aachen. Zum ersten Mal hat sich der Verein dazu durchgerungen, wirklich sichtbar Öffentlichkeitsarbeit zu machen und sich öffentlich sichtbar mit dem Internet zu beschäftigen. Bis dahin beschränkte sich die Vereinsarbeit in der Bereitstellung kostengünstiger Internetanschlüsse für Privatpersonen.
Mit hohem persönlichen Einsatz und leider auch Reduzierung meiner eigenen Freizeit und des Studiums haben wir (die Organisatoren) einen ordentlichen Kongreß auf die Beine gestellt, auf dem hochkarätige Vertreter als Redner gewonnen werden konnten. Der Kongreß selbst hat in der Presse gute Kritiken bekommen, das Publikum war durchmischt, rundherum ein Erfolg.
Leider gab es bereits im Vorfeld den ersten Bruch in der Vereinsarbeit. Eintrittspreise von über 500,-- für zwei Tage erschienen mir von Anfang an zu hoch, was leider durch geringe Anmeldungen nur bestätigt wurde. Nach einer kurzfristig einberufenen Vorstandssitzung wurde beschlossen, die Preise drastisch zu senken. Daraufhin gab es jedoch innerhalb des Organisatoren-Teams (das nicht nur aus der Geschäftsstelle bestand) starke Diskrepanzen, die sich nach dem Kongreß nicht nur in fadenscheinigen Rechnungen und merkwürdigen Kostenforderungen von Sponsoren widerspiegelten.
Für mich ist der Verein bereits 1998 im Anschluß an den Kongreß gestorben. Damals hat der Vorstand konsequent gegenüber der damaligen Geschäftsstelle gemauert. Sinnvolle Arbeit war zu dem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Ich habe mir damals erstmals in meinem Leben Gedanken darüber gemacht, das Arbeitsverhältnis mit dem Verein aufzukündigen, da es für mich und meine Kollegin unzumutbare Arbeitsbedingungen waren. Ich wurde von meinem Chef (dem Leiter der Geschäftsstelle, Ulrich Tiemann) gebeten, weiterzuarbeiten, was ich letztendlich eine Weile auch gemacht habe.
Im gegenseitigen Einvernehmen zwischen IN-Vorstand und Leiter der IN-GS wurde der GS-Vertrag zum 31.12.98 beendet, so daß der Verein bis Februar oder März 1999 erst einmal ohne Geschäftsstelle darstand. Der Vorstand hat sich nach Aufkündigung des Vertrags nämlich nicht darum gekümmert, eine neue Geschäftsstelle auszuschreiben.. Seit dem Zeitpunkt bin ich nicht mehr mit GS-Tätigkeiten befaßt und extrem froh darüber.
Öffentlicher Tod - Der Dolchstoß des IN e.V.
Im Mai 2000 ging eine Nachricht über den Heise Newsticker, daß sich der der IN auflösen werde. Die Nachricht basiert jedoch nicht auf einer offiziellen Stellungnahme des Vorstands oder der Geschäftsstelle. Sie kam von einem Mitglied des IN-Berlins, Wilhelm Schäfer, das dort im Vorstand sitzt und wahrscheinlich rein zufällig maßgeblich in der aktuellen Geschäftsstelle des IN arbeitet. Auf der internen Mailing-Liste wurden die Probleme zwar diskutiert, und zur MV aufgerufen, jedoch darum gebeten, die Probleme nicht öffentlich zu machen. Ich habe bis zu dem Zeitpunkt geglaubt, daß mich in Sachen IN nichts mehr schocken konnte, doch daß gerade diese Person lieber mit der Presse spricht anstatt die Vereinsmitglieder über den aktuellen Status zu informieren, schlug dem Faß wirklich den Boden aus.
Daß der Verein aufgrund fehlender Vorstandsarbeit und fehlender Direktiven und Delegationen seitens des Vorstands in massive finanzielle Probleme geraten ist und keinerlei Besserung in Sicht war, konnte bisher vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben. In der Tat ist es für die Mitglieder des INs ein Schlag ins Gesicht, im Heiseticker lesen zu müssen, daß der IN sich auflösen werde, noch bevor die terminierende Mitgliederversammlung stattgefunden hat und bevor der Vorstand eine offizielle Stellungnahme herausgegeben hat. Die Meldung hat die Mitglieder der IN-Domains ziemlich verunsichert. Mehrere Domains haben sich daraufhin entschieden, den Betrieb einzustellen.
Die Nachricht im Heiseticker stellt in meinen Augen einen traurigen Tiefpunkt im Leben des Individual Networks dar. In meinen Augen ist das Gespräch des GS-Mitarbeiters (wenn auch in seiner Funktion als Privatperson) Hintergehung des Vereins, des Vorstands, Manipulation der MV und Verfolgung niederer Interessen. Neben finanziellen Problemen hat sich der IN als Anbieter von IP in den letzten zwei Jahren tatsächlich überlebt und hätte diesen Teil längst abstoßen müssen.
Das Vereinsziel, kostengünstige Internetzugänge für Privatpersonen in Deutschland zu schaffen, war erreicht. Heutzutage ist es kein Problem mehr, als Privatperson kostengünstig "ins Netz" zu kommen. Viele überregionale Anbieter haben spezielle Angebote, in fast jeder Stadt existieren lokale Internet-Anbieter. Tatsächlich zählen Zugänge über den IN in letzter Zeit zu den teuersten für Privatkunden - jedoch zu den qualitativ hochwertigsten.
Der IN hätte sich daher spätestens vor zwei Jahren auf den in der Satzung festgelegten Vereinszweck besinnen sollen und IP als Mehrwert ansehen müssen. Ohne funktionierenden Vorstand und ohne hinreichend aktive Mitglieder ist das natürlich ein schwieriges Unterfangen. Mit einer funktionierenden Geschäftsstelle, die mit Umstellungen und der Ausarbeitung von neuen Ideen beauftragt ist, ließe sich das jedoch reißen, bis ein funktionierender Vorstand den dysfunktionalen ablösen kann.
Von der letzten Geschäftsstelle in Berlin konnte das jedoch nicht erwartet werden. Dort bestanden lediglich gute Beziehungen zum Vorstand, was ein definitiver Pluspunkt ist. Leider stellten sie davon abgesehen ihre Unfähigkeit unter Beweis. (Details: Siehe Page Source)
Resumé
Mir persönlich tut es äußerst leid um den Verein. Zeitweise hat es wirklich Spaß gebracht, für ihn zu arbeiten und etwas auf die Beine zu stellen. In den letzten Jahren hat sich das jedoch vollkommen in Frust und Inkompetenz umgekehrt, so daß der große Knall nur eine logische Folge und eine Frage der Zeit war.
Auf der internen Präsidiumsliste gab es zum Schluß von Seiten der neuen Geschäftsstelle lediglich Vertröstungen, dumme Kommentare und Flames, vom Vorstand gerade mal die Bekenntnis, daß die Auflösung des Vereins beantragt wird. Inhaltlich lief kaum noch etwas über die Liste, und selbst das wenige kam nicht zu potte.
Ob der Verein inzwischen offiziell aufgelöst ist, kann ich nicht sagen. Nach der terminierenden MV, auf der es große Diskrepanzen bzgl. der Rechtmäßigkeit gab, hat der Vorstand es nicht geschafft, den Verein über die Auflösung und die Ergebnisse der Gespräche mit den Schuldnern zu informieren. Zwischenzeitlich gab es von ehemaligen Geschäftsstellenmitarbeitern die Information in einem Nebensatz, daß es keine Geschäftsstelle mehr gibt. Die Präsidiumsliste scheint Ende 2001 immer noch zu existieren, die Webseiten sind inzwischen deaktiviert worden.
Aus meiner Sicht stellt die Auflösung des Individual Network e.V. einen großen Verlust in der deutschen Internet-Landschaft dar. Der IN hat Pionierarbeit in Sachen Internet geleistet. Viele der damaligen Site-Betreiber sind heute maßgeblich am Betrieb des Internet in Deutschland (inzwischen bei großen Providern) beteiligt. Der IN hat seinen interessierten und aktiven Benutzern eine Plattform zum Lernen und Experimentieren geboten, was heutzutage mit normalen Internet-Anschlüssen nicht mehr möglich war.
20. Mai 2000, mit Updates