CHIP-Spezial: Warum gerade Debian?
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Es gibt viele Gründe, unter den möglichen Linux-Distributionen
Debian GNU/Linux auszuwählen. Im folgenden soll ein grober
Überblick über die Gründe gegeben werden. Viele Personen probieren
zuerst irgendeine Distribution aus und landen schließlich bei
Debian - nicht ohne Grund.
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1. Freiheit |
Abb. 1: Ein Desktop mit Debian GNU/Linux
Der wichtigste Unterschied zu allen anderen großen Linux-Distributionen besteht darin, daß hinter Debian GNU/Linux keine Firma steht und die Distribution somit keinen kommerziellen Zwängen unterworfen ist. Daß dieses keineswegs ein Nachteil ist, beweist die hohe Qualität dieser Distribution. Die Entwickler verzögern lieber ein Release als daß sie kritische und bekannte Fehler im System belassen.
In der Tat lassen sich die Entwickler der Debian-Distribution
erheblich mehr Zeit als die Hersteller kommerzieller
Linux-Distributionen. Zum einen ist ein Debian-System dadurch bei
seiner Freigabe sehr gut getestet und zum anderen muß man dadurch
nicht so häufig auf eine neue Version aktualisieren. Wer es dennoch
möchte, hat jederzeit die Möglichkeit, auf die aktuelle
Entwicklungs-Version umzusteigen.
Freiheit
Die wichtigeste Eigenschaft für die Entwickler selbst ist die Wahrung der Freiheit. Die Projektmitglieder haben daher schon 1997 in ihrem Gesellschaftsvertrag festgelegt, welchen Restriktionen eine Software unterliegen darf, damit sie nach Debian-Richtlinien noch als frei angesehen wird. Diese Richtlinien (siehe Kasten) wurden später als Open Source Definition übernommen.
Proprietäre Software oder kommerzielle Demos sind nicht im Debian-System enthalten, für alle Komponenten ist der Quellcode vorhanden, der studiert und verändert werden darf. Nichtsdestotrotz gibt es auch einen geringen Teil an Shareware und sogar proprietären Programmen, die im Debian-typischen .deb-Format angeboten werden, um die einfache Installation auf einem Debian-System zu gewährleisten.
Abb. 2: Hilfe zu Debian bei DebianHELP
Qualität
Die Debian-Distribution glänzt durch extrem hohe Qualität. Die gesamte Entwicklung findet in der Öffentlichkeit statt und Fehler werden öffentlich diskutiert. Dadurch können einzelne Komponenten vor einem Release bereits intensiv getestet werden, so daß endgültige Versionen meistens viele Verbesserungen erfahren haben.
Das Debian-Projekt besteht aus mehr als 500 Freiwilligen, die sich über das Internet koordinieren. Die meisten dieser Entwickler haben ein persönliches oder berufliches Interesse an funktionierenden Paketen und sind teilweise abseits von Debian ebenfalls Autoren Freier Software. Viele Entwickler haben zudem ein erhebliches Maß an Wissen in dem Bereich vorzuweisen, in dem sie im Debian-Projekt aktiv sind.
Darüberhinaus bestehen innerhalb eines Debian-Systems viele Mechanismen für die Interaktion von Paketen untereinander. Dazu gehören z.B. das Menüsystem, das Menüs für alle grafischen Window-Manager zur Verfügung stellt, »dwww« und »dhelp«, die Dokumentationen der installierten Programme und Pakete unter einer Oberfläche zusammenfassen, um nur drei zu nennen.
Da viele Personen im Debian-Projekt mitarbeiten, die unterschiedlichen Background bzgl. Computer und Linux haben, sind darunter viele Entwickler, die nicht mit intel-Hardware arbeiten. Sie haben meistens ein Interesse daran, Debian auf allen Maschinen laufen zu lassen, auf die sie Zugriff haben. Daher existieren Portierungen des Debian-Systems auf fast alle möglichen Hardware-Plattformen: von intel und Motorolas 680x0 und PowerPC über Alpha und Sparc bis hin zu MIPS, SuperH und IBM S/390.
Abb. 3: Interesantes rund um Debian bei DebianPlanet
Abhängigkeiten
Hinzu kommen die filigranen und wohldefinierten Abhängigkeiten, die zwischen Debian-Paketen bestehen. Es gibt eine strikte Trennung zwischen Programmen, Dokumentation, Bibliotheken und Entwickler-Modulen, so daß nur die Pakete tatsächlich installiert werden müssen, die auch tatsächlich benötigt werden. Durch die Abhängigkeiten wird gewährleistet, daß alle Komponenten, die für die Funktionalität eines Programms benötigt werden, auf dem System auch vorhanden sind.
Einen groben Einblick in die Abhängigkeiten erhalten Sie durch die
nebenstehende Abbildung. Im Hintergrund wird der Abhängigkeitsgraph
von »gmc« (Gnome Midnight Commander) dargestellt. Auf den folgenden
Seiten sehen sie vereinfachte Abhängigkeiten für »gnumeric«.
Upgrade
Debian GNU/Linux ist dafür bekannt, daß sich das System im laufenden Betrieb aktualisieren läßt - sogar über das Netzwerk, ohne X11 und ohne Neustart. Die meisten Paket-Manager unter Debian laufen auf einer Textkonsole oder in einem X-Terminal. So können sie auch von einem entfernten Rechner gestartet werden, ohne daß man direkt einen Monitor und eine Tastatur an den Rechner anschließen muß.
Security-Updates werden üblicherweise aus dem Netzwerk gezogen und dann eingespielt. Wer mehrere Rechner verwaltet, weiß diese Möglichkeit zu schätzen. Ähnlich einfach gestaltet sich das nachträgliche Einspielen zusätzlicher Programmpakete im ».deb«-Format. Der Paketmanager APT beachtet automatisch Abhängigkeiten und lädt ggf. alle benötigten Pakete von der angegebenen Quelle, um sie anschließend zu installieren. Mehr dazu lesen Sie im Artikel über das Paket-Management.
Abb. 4: Debians Developer's Corner
Beim Umstieg von einer stabilen Debian-Version zur nächsten achten die Entwickler stark auf Kompatibilität. Durch den offenen Entwicklungsprozeß haben sie viel Zeit, bevorstehende Probleme zu diskutieren und zu minimieren. Die Anzahl der Probleme, die durch den Umstieg verursacht wird, ist dadurch so gering wie möglich.
Ein Debian-System kann jederzeit mittels CD oder mit Paketen aus dem Netz (per FTP, HTTP oder NFS) auf den aktuellen Stand gebracht werden. Dazu müssen lediglich die gewünschten Quellen in die Konfigurationsdatei von APT eingetragen werden.
| Debian-Richtlinien für Freie Software | |
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Resources
- Debian Homepage
- Debian Free Software Guidelines
- Debian GNU/Linux
Peter H. Ganten, 2000 Springer, Heidelberg, ISBN 3-5400-65841-6 - Debian GNU/Linux-Anwenderhandbuch
Frank Ronneburg, 2001 Addison-Wesley, ISBN 3-8273-1748-7 - Debian Maintenance HOWTO
Martin Schulze
![[Ein Desktop mit Debian GNU/Linux]](desktop-small.png)
![[Hilfe zu Debian bei DebianHELP]](debianhelp-small.png)
![[Interesantes rund um Debian bei DebianPlanet]](debianplanet-small.png)
![[Debians Developer's Corner]](devel-small.png)