Linux-Magazin: Debian GNU/Linux 0.93 Release 6 freigegeben
Am 25. September wird Debian GNU/Linux 0.93 freigegeben. Es wird seit über einem Jahr kontinuierlich weiterentwickelt. Dieses Release ist das erste offizielle Release seit Januar 1994. Im März '95 wurde Release 5 nur als inoffizielle Beta-Version herausgegeben.
Seitdem wurde Debian GNU/Linux ständig verbessert und vorangebracht. Viele Leute, die es bereits benutzten, haben Bugreports geschrieben und so geholfen das System zu verbessern.
Debian GNU/Linux ist die erste Linux-Distribution, die gemäß dem GNU- und Linux-Gedanken entwickelt wird. Im Gegensatz zu allen bisherigen Distributionen wird sie nicht von einer Einzelperson oder einer kleinen Gruppe von Personen zusammengestellt, sondern gemeinschaftlich im Usenet entwickelt. Koordiniert wird das Projekt ebenfalls nicht von Einzelpersonen, sondern von einer Handvoll Mailinglisten. Viele Entwickler haben Pakete übernommen, bereiten sie für Debian auf und fügen sie in die vorhandene Struktur ein.
Debian GNU/Linux wird von der Free Software Foundation (kurz: FSF, Herausgeber der GNU-Programme) unterstützt und in Zukunft wohl auch vertrieben. Damit tritt Debian GNU/Linux die direkte Konkurrenz zu kommerziellen Unixen an. Bisherige freie Distributionen wiesen noch immer soviele Mängel auf, die teilweise auch in neue Versionen verschleppt wurden, daß sie keine echte Konkurrenz darstellten. Oftmals fehlt auch die Möglichkeit, Fehler zu berichten, was solche Verschleppungen nur noch fördert. Durch die Unterstützung von der FSF und durch das Label GNU, wird deutlich gemacht, daß es sich bei Linux nicht um ein kommerzielles Projekt handelt.
Debian GNU/Linux enthält hunderte von Softwarepaketen, jedes dieser ist ein eigenständiges Modul mit wohl definierten Abhängigkeiten und Schnittstellen. Sie sind nicht an ein bestimmtes Release geknüpft und können auch auf nicht Debian Systemen installiert werden. Die Pakete sind jedoch speziell für Debian GNU/Linux angepaßt, gerade was Dokumentation und Konfigurationsdateien angeht.
Das Packagetool dpkg wird zur Verwaltung dieser Pakete eingesetzt. Es ist so aufgebaut, daß es Abhängigkeiten zwischen Paketen erkennt und beachtet. Ebenso wird sichergestellt, daß Konflikte mit anderen Paketen erkannt und aufgelöst werden. Konfigurationsdateien werden während der Installation angelegt, erneuert oder gesondert behandelt, um Änderungen, die der Anwender bereits gemacht hat, nicht zu überschreiben.
Die neue Installationsroutine wird den Anwender mit einem Minimum an Fragen belästigen. Nach Auswahl einer ausreichend großen Festplatte soll darauf ein Basissystem installiert werden. Die restliche Software wird anschließend mit dem bereits erwähnten Packagetool installiert. Debian GNU/Linux 0.93 wird die letzte Version sein, die noch auf a.out basiert. Version 1.0 und neuere werden das ELF Binärformat benutzen. Es ist geplant, daß ein Upgrade von 0.93 auf Version 1.0 ohne komplette Neuinstallation möglich ist.
Wer mehr über das Debian-Projekt erfahren möchte, kann einmal auf http://www.debian.org/ nachsehen. Debian GNU/Linux 0.93R6 wird es auf ftp.debian.org in /debian geben.
Literatur
[1] Ian A. Murdock; The Debian Linux Manifesto; Revised 01/06/94; ftp://ftp.debian.org/debian/info/Manifesto
[2] Barton P. Miller et al.; Sicherheit; Nichts dazu gelernt; Empirische Studie zur Zuverlässigkeit von Unix-Utilities; iX; 9/95, S.108
[3] Michael Riepe; Linux-Programmierung; Metamorphose; Einführung des ELF-Binaerformats; iX 8/95, S.46
[4] James LewisMoss; Performance Analysis: Linux ELF system vs. Linux aout/DLL system; ftp://sunsite.unc.edu:/pub/Linux/docs/misc/speed.comp-1.0.tgz