Stachel: Impfung gegen Schwangerschaften

 
Wenn es nach dem Willen einiger Wissenschaftler geht, werden Schwangerschaften in Entwicklungsländern in Zukunft staatlich kontrolliert sein.

 

1. "Kinder sind unsere Hoffnung"
2. Familienplanungsprogramme
3. Impfstoff gegen Schwangerschaft
4. WHO forscht auch

Schon im Jahr 1989 wurde bekannt, daß in Indien am Nationalen Insititut für Immunologie in Dehli entsprechende Forschungen laufen. Die geballte Aufmerksamkeit galt der Möglichkeit, einen Impfstoff herzustellen, mit dem ein Jahr lang Schwangerschaften unterbunden werden können. Der Impfstoff verhindert dabei, daß sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann.

"Kinder sind unsere Hoffnung"

Ein Großteil der in Indien lebenden Menschen ist arm. Viele sind mit ihren Familien in die Städte gezogen. In den Städten sahen sie die Zukunft für sich und ihre Kinder. Auf dem Land waren sie oftmals nur Arbeiter von Gnaden eines Großgrundbesitzers und bekamen gerade einmal soviel Lohn, daß die Familie nicht verhungerte.

Die Stadt - da ist alles besser, viele Bekannte sind schon dorthin abgewandert. Das ist die Zukunft. Ihre Kinder müssen sie irgendwann versorgen. Dann sollen sie richtige Arbeit haben und die gibt es nur in der Stadt. Jedenfalls glauben dies viele. Immer mehr Menschen haben so das Land verlassen und sind in die Städte gezogen.

In der Stadt finden die wenigsten sofort Arbeit. Einge Wohnung können sie sich auch nicht leisten. Sie ziehen erst einmal in die Slums. Dort alerdings gelten sie für die "gehobene Bevölkerungsschicht" oft als Abschaum. Eine soziale Absicherung ist ihnen völlig fremd und der Staat nimmt sich ihrer nur bedingt an.

Die Problematik muß man sich auch einmal vor Augen führen. Für eine gesicherte Altersversorgung muß jemand für sie aufkommen. Dieses ist schon seit Generationen Aufgabe der Kinder, die Eltern im Alter zu versorgen. Allerdings ist es nicht sicher, daß auch jedes Kind solange am Leben bleibt. Das bedeutet, daß eine Familie, die sich im Alter absichern will, viele Kinder haben muß. Dadurch wird aber das Problem in der nächsten Generation verschärft und in der müssen dann noch mehr Menschen versorgt werden. Immer mehr Menschen brauchen immer mehr Arbeit und immer mehr Nahrung.

Für die "gehobene Schicht" sind diese vielen Menschen ein Graus. Sie sehen gerade noch das Problem, daß es zuviele Menschen sind, aber nicht die Ursachen dafür. Wäre z.B. die Altersversorgung gesichert, dann bräuchte eine Familie auch nicht mehr soviele Kinder zum Überleben, zumal die Kindersterblichkeit durch den medizinischen Fortschritt auch schon merklich zurückgegangen ist. Das wird oftmals aber nciht gesehen, was fatale Auswirkungen hat.

Familienplanungsprogramme

Die Regierung setzt daher auf sogenannte Familienplanungsprogramme, nach denen eine Familie nur ein bis zwei, maximal drei Kinder haben sollte. Das geht so weit, daß z.B. Prämien gezahlt werden, wenn sich Frauen sterilisieren lassen. Die gesamte Kampagne ist so aufgebaut, daß den Frauen das Recht auf Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper abgesprochen wird. Nach Ansicht der Regierung scheinen Frauen allein für das Kinderbekommen verantwortlich zu sein. Da sollten sich einige einmal ein gutes Biobuch zu Gemüte führen.

Die Regierung legt 5-Jahres-Solls fest, die auf Deubel-komm-heraus von den Beamten eingehalten werden (müssen). Dabei wird natürlich keine Ursachenforschung betrieben, sondern Frauen werden überredet, etwas dagegen zu tun, daß sie Kinder bekommen können.

Impfstoff gegen Schwangerschaft

Genau in dieses Konzept passen die Forschungen, die eine Gruppe um Prof. Talwar in Dehli betreibt. Dort wird ein Impfstoff entwickelt, der ein Jahr lang Schwangerschaften verhindern soll. Dieser muß an einen anderen (gegen Tetanus oder Diphterie) gebunden und gleichzeitig verabreicht werden. Die Wirkung dieser Mixtur ist allerdings keineswegs genau untersucht oder geklärt.

Bei einer Impfung wird das Immunsystem gereizt, damit es selbst Antikörper bildet. Diese Antikörper binden den Fremdstoff und machen ihn damit unschädlich. Eine Impfung ist immer nur eine Vorbeugemaßnahme.

Die von Talwar entwickelte Impfung unterscheidet sich aber grundlegend von herkömmlichen. Diese richtet sich nämlich erstmals nicht gegen körperfremde, sondern gegen körpereigene Stoffe. Die Folgen, die eine solche Behandlung nach sich zieht, sind nicht abzuschätzen. Der gesamte Stoffwechsel wird durcheinander gebracht und das kann in der Tat ungehante Auswirkungen nach sich ziehen.

Talwar sieht die Sache aber ganz anders. Kritik an seiner Arbeit ist für ihn völlig unverständlich. Für ihn schienen Nebenwirkungen völlig außer Frage zu stehen. Ab einem gewissen Stadium mußte er den Impfstoff an Frauen ausprobieren. Frauen, die in sein Krankenhaus kamen, wuden dazu überredet, Versuchskanninchen zu spielen. Er verkaufte seine "Spritze" als "100 Prozent effektiv" und "ohne Nebenwirkungen", was eine glatte Lüge war. Wie viele Frauen sind dabei wohl zu Versuchsobjekten degradiert worden?

Die Regierung steht dabei voll hinter dieser Forschung. Es scheint doch viel einfacher zu sein, das Problem der Armut auf die Aussage "zuviele Menschen" zu reduzieren und dieser mit Geburtenkontrolle zu begegnen. Talwar geht dabei noch weiter indem er sagt, daß arme Frauen nichts wissen und auch nicht entscheiden können, was gut für sie ist, also müssen andere für sie entscheiden. Damit meinte er sich, den Gott schlechthin.

WHO forscht auch

Nicht nur in Indien wird an einem solchen Impfstoff geforscht. Auch im Auftrag der World Health Organisation (WHO) arbeiten Wissenschaftler daran. In Details unterscheiden sich diese zwar, aber die Grundidee ist die gleiche. Will sich auch die WHO anmaßen, für Frauen in Entwicklungsländern zu entscheiden, ob sie Kinder bekommen dürfen oder nicht?

Bei Versuchen mit sieben Frauen in Schweden zeigten übrigens alle sieben Nebenwirkungen. Daraufhin hat die WHO die Tests erst einmal abgebrochen. Sie sollen allerdings auf jeden Fall weitergeführt werden.

Es ist erschreckend, daß immer wieder na den Symptomen herumgedocktert wird, anstatt sich einmal genau die komplexen Zusammenhänge anzusehen und zu untersuchen. Oft werden nicht die Ursachen bekampft, sondern die Auswirkungen. Aber so ist es ja viel einfacher, oder?

Dieser Artikel entstand im Anschluß an eine Veranstaltung vom Internationalismusreferat des abgewählten AStAs. In dieser wurde der Film "Antikörper gegen Schwangerschaft - Der Traum von der perfekten Geburtenkontrolle aus dem Labor" von Ulrike Schaz gezeigt und mit der Autorin diskutiert.

mgs
Quelle: Oldenburger Stachel 5/95