Die Muellberge von Oldenburg

 
Wo geht eigentlich der Müll hin? In die Tonne, klar. Und dann? Ab zur Deponie - aus den Augen aus dem Sinn? Weiter interessiert es viele Menschen überhaupt nicht. Doch wie sieht die Müllsituation in Oldenburg aus?

 

1. Die Verfahren
2. Was geschieht mit dem Kompost?

Die Oldenburger Deponie in Kreyenbrück ist ziemlich voll. Den Anwohnern ist sie schon lange ein Dorn im Auge. Es stinkt zum Himmel. Aber wo soll eine neue Deponie errichtet werden? Die Suche hat ergeben, daß man im Stadtgebiet keinen entsprechenden Platz finden kann, der den Auflagen genügt. Ein weiteres Ergebnis der Planfeststellung ist die Erweiterung der vorhandenen Deponie in der Eidechsenstraße. Die Deponie wird ausgebaut und darf dann bis 2003 weiter beliefert werden.

Bei der Suche nach neuem Deponieraum ist die Stadt auf Zusammenarbeit mit den umliegenden Kommunen angewiesen. Die neue Deponie müßte im Umland errichtet werden. Aber bis dahin muß Oldenburg selbst für eine adäquate Vorbehandlung des Abfalls sorgen. Das sehen gesetzliche Bestimmungen vor.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten dieser Vorbehandlung. Alle haben zum Ziel, die Abfallmenge, die im Endeffekt auf die Deponie kommt, drastisch zu erduzieren und kompakter zu machen. Für den so vorbehandelten Abfall gibt es auch Bestimmungen. Hier greift die Technische Anleitung Siedlungsabfall (TaSie). Dort wird festgelegt, wie stark das Resultat z.B. noch in sich zusammenfallen darf, oder wieviel leichter das Resultat nach einer Verbrennung sein darf (Glühverlust). Wenn man sich die TaSie ansieht, beschleicht einen der Verdacht, daß die Regierung voll auf Müllverbrennung setzt, denn gerade der Glühverlust ist mit heutiger Technik nur durch Verbrennung zu schaffen.

Die Verfahren

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, den Hausmüll vorzubehandeln. Bechanisch-biologische Anlagen setzen nach der maschinellen Aussortierung diverser Wertstoffe auf biologische Methoden. Mit Mikroorganismen soll der Müll reduziert werden. Eine kleine mechanisch-biologische Anlage ist in Oldenburg auch schon in Betrieb.

Daneben existieren noch thermische Verfahren, auf die die TaSie besonders zugeschnitten zu sein scheint. Hier ist die Müllverbrennung besonders bekannt. Aber auch Pyrolyse ist möglich - und auch vorzuziehen.

Bei den thermischen Verfahren ist noch ziemlich unbekannt, was aus dem Schornstein wieder rauskommt. Man weiß auch noch nicht so recht, welche Schadstoffe in der Schlacke enthalten sein werden.

Die mechanisch-biologische Anlagen haben ein anderes Einführungsproblem. Es gibt kaum Anlagen, die auch in Betrieb sind. Es liegen kaum Erfahrungswerte über die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen vor. Insofern ist es schwierig, ob die Entscheidung für eine mechanisch-biologische Anlage fallen wird.

Die TaSie wird '95 noch einmal überprüft. Da die Wahl aber keine Regierungswechsel mit sich gebracht hat, steht nicht zu erwarten, daß diese Anordnung noch geändert wird.

Vor drei Jahren hat sich der Rat für eine mechanisch-biologische Anlage ausgesprochen. Sie ist auch schon in Betrieb. Laut Umweltamt ist diese Anlage aber noch längst nicht ausgereizt. Hier kann noch weiter optimiert werden und das will die Stadt auch erst einmal versuchen.

Die CDU Fraktion im Umweltausschuß wirft der Stadt unterdessen vor, daß sie in Sachen Deponiestandort noch einen Schritt weiter ist. Sie wollen unbedingt eine Müllverbrennungsanlage (MVA) für Oldenburg, was gar nicht einzusehen ist. Es sind auch mechanisch-biologische Anlagen möglich, nur muß abgewägt werden, inwieweit solche Anlagen den Bestimmungen der TaSie entsprechen und inwieweit sie für die Zusammensetzung des Oldenburger Siedlungsmülls geeignet sind.

Die Stadt wird erst einmal eine mögliche Änderung der TaSie '95 abwarten. Danach steht allerdings die Kommunalwahl ins Haus und vorher wird bestimmt keine Entscheidung fallen, denn man will sich ja nicht die WählerInnen vergraulen, indem man ihnen eine MVA vor die Nase setzt.

Vor allem muß aufgepaßt werden! Wenn es nämlich hart auf hart kommt, dann kann ein solches Vorhaben in drei Monaten durchgezogen werden, ohne daß die Bürger überhaupt die Moglichkeit haben, sich groß dazu zu äußern.

Was geschieht mit dem Kompost?

Nach den Bestimmungen darf auch kein kompostierbarer Müll auf die Deponie. Dieser muß extra gesammelt und bearbeitet werden. Aus diesem Grund wird in Oldenburg ab '96 auch die braune Tonne eingeführt.

Die Zukunft des Kompostes ist schon konkreter. Da haben die Mühlen der Verwaltung schon gemahlen. Es gab eine öffentliche Ausschreibung, wer ein Kompostierwerk aufstellen will. In diesem Monat wird einer Firma der Zuschlag gegeben und das Genehmigungsverfahren kann beginnen. Die Stadt Oldenburg rechnet damit, daß der Bau im Frühjahr '96 fertiggestellt sein wird und der städtische Kompost umgewandelt werden kann. Für die Vermarktung des Kompostes sorgen die Betreiber selbst. Die Anlage wird dann gerade noch rechtzeitig fertig werden, um den Kompost zu verarbeiten, der ab '96 dann durch die braunen Tonnen gesammelt wird.

Mit dem Thema Müll beschäftigt sich eine Gruppe vom BUND, die offen für alle ist. Wer auch mitreden will, ist herzlich eingeladen. Tel: 73336 (Hilko)

mgs
Quelle: Oldenburger Stachel 11/94