Stachel: Tonne für Tonne
Muß sich jeder Haushalt für Anfang '96 zwei neue Mülltonnen kaufen? Diese Frage beschäftigt zur Zeit die Ratsfraktionen und die Verwaltung.
Am 1.1.96 wird in Oldenburg die Biotonne eingeführt. Das steht fest und auch das Kompostierwerk ist im Aufbau. Die Stadt hat diese Aufgabe an die Firma Rethmann abgegeben. Rethmann soll ab Anfang '96 selbst den Biomüll abholen und Verwerten. Auch um die Weiterverwendung wird sich das Unternehmen selbst kümmern.
Damit die Oldenbürger nicht von neuen Kosten erschlagen werden, wurde auf der Ratssitzung vom 5.12.94 beschlossen, daß die Tonnen von der Stadt gestellt werden sollen. Zu diesem Zweck sollte ein Tonnenhof aufgebaut bzw. erweitert werden (der jetzige besteht aus zwei Garagen). So wird es bereits in vielen Städten gehandhabt.
Mittlerweile haben sich bekanntlich die Mehrheitsverhältnisse im Rat geändert (siehe Stachel 2/95 und 3/95). Da besteht dann für die Fraktionen offensichtlich nicht mehr die Notwendigkeit, sich an Ratsbeschlüsse zu halten, die mit einer anderen Mehrheit beschlossen wurden. So ist im Haushalt, der in der Ratssitzung am 20.3. verabschiedet wurde, auch kein Tonnenhof mehr vorgesehen. Die neuen Mehrheiten im Rat sind also nicht mehr der Meinung, daß die Tonnen gestellt werden sollen. Im Augenblick sieht es also so aus, daß sich jeder Haushalt zumindest eine Biotonne kaufen muß.
Ebenfalls ungeklärt ist die Behandlung der Restmülltonne. Ab 1997 gilt verbindlich eine Euronorm für Mülltonnen. Diese EU-Norm sieht nur noch Tonnen auf Rädern mit einer Mindestgröße von 60l vor. Das hat hauptsächlich arbeitsmedizinische Gründe zur Ursache. Kleinere Tonnen sind einfach "zu kurz". Die Leute von der Müllabruhr müßten sich sonst dauernd bücken, um solche Tonnen überhaupt zu bewegen. Unabhängig davon, ob diese Tonnen Räder hätten oder nicht, würde diese Arbeit sehr stark die Rücken der Arbeiter belasten. Da dieses nicht zumutbar ist, gibt es Gespräche, die Restmülltonne bei der Gelegenheit gleich mit zu ersetzen. Hier sind sich die Fraktionen allerdings auch noch nicht einig. Schon vorhandene Tonnen, die der EU-Norm entsprechen, sollen aber weiterbenutzt werden dürfen.
Was aber mit den Tonnen passiert, die der Norm nicht entsprechen, ist ungewiß. Im Augenblick sieht es wohl so aus, daß diese Tonnen in den Müll... Entschuldigung, natürlich ins Plastikrecycling kommen.
Unklar ist auch noch, ob man sich von der Biotonne befreien lassen kann und welche Kosten einem dann erspart bleiben würden. Es hat aber den Anschein, als wolle die Verwaltung diese Möglichkeit nach Kräften ausschließen. Das geht aus den sich im Gespräch befindenden möglichen Gebührenordnungen hervor.