freeX: Neues in Debian GNU/Linux 4.0
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Auf geht's!
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Es hat sich viel getan in der neuen Distribution vom Debian-Projekt. Der Version 4.0 mit dem Codenamen Etch sieht man die eineinhalb Jahre Entwicklungszeit an, die seit der Veröffentlichung der letzten Version vergangen sind.
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1. Neuer Installer |
Die meisten Änderungen und Verbesserungen hat Debian GNU/Linux allerdings unter der Oberfläche erfahren. Ein Großteil der Neuigkeiten sind auf den ersten Blick nicht sichtbar, sondern sorgen für noch bessere Integration der Software innerhalb des Systems. Sehr viele Pakete wurden aktualisiert und liegen jetzt in einer neuen Version vor.
Mit der Version 4.1 von GCC liefert Debian die Distribution mit dem aktuellen Standard-Compiler aus. Die wichtigste Bibliothek LibC liegt mit der Version 2.3.6 nur knapp hinter der aktuellen Version 2.4.
Viele weitere Bibliotheken wurden ebenfalls aktualisiert und die Abhängigkeiten der Pakete verbessert gezogen. In vielen Teilbereichen wurden zusätzliche Regeln aufgestellt, um einheitliche Pakete anzubieten, die gut miteinander harmonieren. Für Java-, Python- und Mono-Pakete sowie für Web-Applikationen und Wörterbücher wurden erstmals Verfahrensweisen aufgestellt.
Neuer Installer
Die Installationsroutine ist das erste Programm, mit dem ein neuer Anwender in Verbindung tritt. Diese wurde bei Debian vollkommen überarbeitet. Schon vor der Veröffentlichung von Debian GNU/Linux 3.1 haben die Entwickler damit begonnen, einen neuen Installer zu schreiben. Der ist allerdings nicht rechtzeitig einsatzfähig gewesen und kommt daher erst jetzt in der Version 4.0 voll zum Einsatz.
Die neue Installationsroutine ist vollständig modular aufgebaut und läßt sich dadurch erheblich leichter warten als das ältere unter dem Namen Boot-Floppies bekannte System. Der neue Installer setzt konsequent »debconf« für die Interaktion mit dem Anwender ein und enthält ein eigens für Debian entwickeltes Werkzeug zur Partitionierung von Festplatten, das neben mehreren verschiedenen Dateisystemen auch LVM und verschlüsselte Partitionen unterstützt.
»debconf« ist das System zum Verwalten von Konfigurationen für Pakete und besteht aus Backend und Frontend. Für Interaktionen mit dem Anwender werden von den Entwicklern Prioritäten festgelegt. Dadurch ist es möglich, den Installer so einzurichten, daß nur Dialoge oberhalb eines bestimmten Schwellenwerts angezeigt werden. Für die nicht angezeigten Fragen werden die Voreinstellungen verwendet.
Mit sogenanntem Preseeding ist es möglich, Einstellungen für »debconf« vor der eigentlichen Installation vorzunehmen. Auf diese Weise werden für die Installation von Debian sowie für die einzelnen Software-Pakete anschließend Vorgaben gemacht. Wird dieser Mechanismus zusammen mit einer sehr hohen Schwelle für Fragen kombiniert, erfolgt die Installation nur noch minimal interaktiv. Damit gibt es neben FAI (Fully Automatic Installation) eine weitere Methode, automatische Installationen vorzunehmen.
Der neue Installer ist in rund 50 Sprachen übersetzt. Es werden dabei sowohl Sprachen unterstützt, die von links nach rechts gelesen werden, als auch welche, die von rechts nach links gelesen werden. Daneben unterstützt der Installer auch komplexe Sprachen wie Tibetisch, Khmer und Thai. Debian GNU/Linux 4.0 kann damit von rund 60% der Weltbevölkerung in der jeweiligen Muttersprache installiert werden. Trotzdem wird man bei einigen Paketen noch auf die englischen Texte stoßen, da nicht alle Übersetzungen vollständig sind.
Durch die Aufteilung in Backend und Frontend ist die häufig verwendete Dialog-Darstellung nur noch eine von mehreren Möglichkeiten. Ein anderes Frontend ist ein auf Gtk basierendes Programm. Zusammen mit einem X-Server erhält man auf diese Weise einen grafischen Installer. Für AMD64- und Intel-basierte sowie PowerPC-Computer steht neben dem normalen Text-basierten Installer auch ein grafischer Installer zur Verfügung.
Im neuen Installer ist Hardware-Erkennung integriert, so daß ein Großteil der Netzwerk-, Sound- und Grafikkarten bereits während der Installation automatisch erkannt werden. Die benötigten Kernel-Treiber werden ebenfalls beim normalen Bootvorgang anschließend geladen, so daß diese Geräte von Anfang an unterstützt werden.
Konfiguration von X11
Die Konfiguration des X-Servers wurde weiter automatisiert und erkennt die vorhandene Grafikkarte in den meisten Fällen selbständig. Die Tastatur wird auf Wunsch ebenfalls erkannt und für die Ansteuerung des Monitors werden realistische Vorschläge gemacht. Sollte das nicht klappen, hilft »get-edid | parse-edid« um die Monitor-Informationen auszulesen. Auf Rechnern mit nicht obskuren und und nicht zu neuen Grafikkarten sollte die Konfiguration von X damit ein Kinderspiel sein.
X in Debian wurde ausgetauscht. Während die Version 3.1 noch mit XFree86 ausgeliefert wurde, enthält Debian 4.0 nun X.Org 7.1. Mit der Version 4.4 von XFree86 wurde die Lizenz derart geändert, daß sie für viele GNU/Linux-Distributoren und X-Entwickler unfrei geworden ist. Daher hat sich X.Org abgespalten, das von allen führenden Distributionen stattdessen verwendet wird.
Aufgrund der neuen Software hat sich die Konfigurationsdatei geändert. Der X-Server wird nun in der Datei »/etc/X11/xorg.conf«. Mit der neuen Version gehen viele Verbesserungen einher. So werden zusätzlich angeschlossene USB-Mäuse und -Tastaturen automatisch unterstützt, inklusive des Mausrades. Xinerama - mehrere Grafikkarten und Monitore an einer einzigen Konsole - läßt sich relativ problemlos konfigurieren.
X.Org ist modular aufgebaut, weshalb bei einer neuen Installation erst einmal rund 40 X.Org-Pakete installiert werden. Viele davon werden jedoch nicht benötigt und dürfen später getrost wieder gelöscht werden. Sie stellen jedoch sicher, daß die erforderlichen Treiber für die Grafikkarte und die Eingabe-Geräte zur Zeit der Konfiguration vorhanden sind.
Unterstützung für AMD64
In der Anzahl der Architekturen hat sich nichts getan, obwohl Debian GNU/Linux zum ersten mal offiziell die AMD64-Architektur enthält. Damit unterstützt Debian erstmals Athlon64-, Opteron- und EM64T Xeon-basierte Rechner mit einer 64-Bit-Version des Betriebssystems. Nicht mehr in der Liste der offiziellen Architekturen befindet sich allerdings Motorola's 680x0-Prozessor. Pakete und Installer für diese Architektur gibt es jedoch weiterhin, nur nicht in Etch.
Die Distribution wird immer größer und nimmt sehr viel Platz auf den öffentlichen Servern ein. Pro Tag ändern sich ca. 1-2 GB an Paketen. Das hat zu Problemen auf manchen Spiegeln mit endlichem Plattenplatz geführt, denn bisher galt die Regel, daß offizielle Spiegel alle Architekturen führen müssen.
Diese Bedingung wurde kurz vor der Veröffentlichung des Release gelockert, so daß nur noch die drei häufigsten Architekturen auf den Spiegeln vorgehalten werden müssen. Das Debian-Projekt verwaltet daher die Liste der Spiegel detaillierter und notiert die verfügbaren Architekturen. Diese Liste wird vom Installer verwendet, der auch Pakete aus dem Internet installiert und passende Server zur Auswahl stellt.
Paketmanager
Der Text-orientierte Paketmanager APT wartet in dieser Version mit mehreren neuen Features auf. Zum einen werden erstmalig digitale Signaturen unterstützt, die vom Debian-Projekt bereits seit längerem für das Archiv verwendet werden. Zum anderen werden Paket-Diffs gelesen.
Dieses Feature hilft vor allen denjenigen, die täglich ihr System aktualisieren und eventuell sogar unstable (Codename sid) einsetzen. APT lädt in dem Fall nicht mehr jedes Mal die vollständigen Paketdatenbanken, die mit hoher Komprimierung immer noch 4 MB groß sind. Stattdessen werden nur die Unterschiede zur letzten vollständig vorhandenen Datei heruntergeladen.
Aus diesen Patch-Dateien, die lediglich die Unterschiede zwischen jeweils zwei kompletten Dateien enthalten wird anschließend die vollständige Datei zusammengesetzt. Damit wird einiges an Bandbreite gespart, da die großen Dateien nicht mehr vollständig heruntergeladen werden.
Die Paketmanager »aptitude« (Text-basiert) und Synaptic (X11) wurden verbessert. Insbesondere Synaptic ist auch für Einsteiger gut zu bedienen. Neu hinzugekommen ist »update-manager«, ein Programm, das ins GNOME-Panel eingebunden wird und den Anwender über aktualisierte Pakete informiert. Damit erfahren Anwender selbst dann von Sicherheits-Updates, wenn sie nicht auf der entsprechenden Mailing-Liste eingeschrieben sind.
Desktop-Umgebungen
In der Distributionen sind aktuelle Versionen von KDE und GNOME enthalten. Sie bieten stabile Destktop-Umgebungen, die insbesondere für Einsteiger sehr bequem zu benutzen sind, sich aber auch bei Komfort-Begeisterten wachsender Beliebtheit erfreuen. Integriert in die Oberflächen sind viele Programme für den Büroalltag und den Heimbereich.
Transportable Medien wie USB-Sticks und USB-Festplatten werden im laufenden Betrieb erkannt. In diesen Desktop-Umgebungen erscheinen beim Anschluß auf dem Desktop Symbole, so daß die Medien leicht für den Austausch von Daten verwendet werden können. Damit entfällt einiges an Detail-Arbeit und das System ist viel benutzerfreundlicher.
OpenOffice.org ist ebenfalls in einer aktuellen Version enthalten und bietet zudem Lokalisierungen für viele Sprachen. Wörterbücher, Hilfe-Texte und der Thesaurus stehen in vielen Sprachen zur Verfügung. Mit KWord wird eine weitere mächtige Textverarbeitung ausgeliefert, so daß jeglicher Schriftverkehr problemlos mit diesem System erledigt werden kann.
Zertifiziert für LSB 3.1
Dieses Release von Debian unterstützt Linux Standard Base (LSB) in der Version 3.1 und damit den aktuellen Standard. Sobald das Paket »lsb« auf einem Intel-, S/390 oder PowerPC-basierten System installiert ist, sind alle für LSB 3.1 benötigten Module installiert. Damit sind alle Voraussetzungen geschaffen, um LSB-kompatible Pakete von fremden Herstellern auf einem Debian-System zu installieren.
Klassifizierung der Pakete
Die Distribution enthält ungefähr 18.000 Binärpakete. Debian hat diese in rund 30 Sparten aufgeteilt, von Administration über Editoren und Spiele bis hin zu KDE, GNOME und anderen grafischen Programmen. Es ist leicht ersichtlich, daß eine solche Einteilung für diese Masse an Paketen nicht ausreicht.
Mit den Debian-Tags (Paket »debtags«) wird das System umgedreht. Kategorien werden den Paketen zugewiesen. Dabei kann ein Paket im Gegensatz zu den Sparten auch zu mehreren Kategorien gehören. Die Einstufung wird von den Anwendern vorgenommen und fließt in die Paketdatenbank für zukünftige Versionen ein.
Das Programm »debtags« zeigt die vorhandenen Kategorien und deren Beschreibungen an sowie die Pakete, denen sie zugeordnet sind. Mit dem Programm »debtags-edit« steht eine komfortable grafische Oberfläche zum Editieren der Kategorien zur Verfügung.
Kernel und Virtualisierung
Die Distribution wird nur noch mit einer einzigen Kernelversion ausgeliefert, die von allen Architekturen verwendet wird. Damit unterscheidet sich Etch erheblich von früheren Versionen, in denen noch mehrere Kernel benötigt wurden, um die verschiedenen Architekturen unterstützen zu können.
Sowohl Xen als auch Linux-VServer werden bereits vom Standard-Kernel unterstützt. Damit stehen dem Administrator zwei Virtualisierungslösungen zur Verfügung, die sich ohne großen Aufwand einrichten lassen. Mit OpenVZ steht eine weitere Technik zur Verfügung, für die allerdings ein spezieller Kernel gebaut werden muß. Die dazu benötigten Patches sind bereits vorhanden, genauso wie die anschließend benötigten Werkzeuge.
Neue und umbenannte Pakete
Aufgrund von Problemen mit dem Markenzeichen enthält Etch zum ersten Mal IceDove und IceWeasel, ein grafisches Mail-Programm und ein grafischer Browser. Den meisten dürften die Pakete unter ihrem alten Namen Thunderbird und Firefox bekannt sein. Ebenfalls neu ist »wodim«, das »cdrecord« ersetzt und mit dem CDs gebrannt werden.
Neu hinzugekommen mit TeX Live ein riesiges Archiv an Paketen für das professionelle Satzsystem TeX. Fast alle freien TeX-Pakete sind damit in Debian enthalten und bieten professionellen Anwendern die für ihre Arbeit erforderlichen Klassen.
Im Bereich Programmierung hat sich ebenfalls einiges getan. Die Entwicklungsumgebung KDevelop von KDE ist wieder Bestandteil der Distribution und bietet eine bequeme integrierte Möglichkeit C- und C++-Programme zu entwickeln. Mit Eclipse steht eine weitere integrierte Entwicklungsumgebung zur Verfügung, die speziell auf Java ausgerichtet ist, mit der aber auch z.B. PHP-Applikationen bequem entwickelt werden.
Ressourcen
Grafiken:
blender.tif Elephants Dream mit Blender bearbeiten gnome-system.tif System-Administration mit Synaptic gnome-system-2.tif graphic.tif Multimedia und Grafikbearbeitung graphic-2.tif kdeadmin.tif Aktuelle KDE-Oberfläche kdeedu.tif Studien- und Lernprogramme unter KDE kdevelop.tif Integrierte Programmentwicklung mit KDevelop kdework.tif CD brennen, Nachrichten Lesen, Zeit planen office.tif Programme für den Büroalltag. z.B. OpenOffice.org
Resources
- Homepage
- Gesellschaftsvertrag
- Informationen zu Debian GNU/Linux 4.0
- Sicherheits-Informationen
- Debian GNU/Linux auf CDs
- Debian Package Tags
- Paket-Informationen