Einschränkung des Rechts auf Privatkopie

 
Nach bisherigem Recht war es zumindest in Deutschland so, daß man Kopien von gekauften Medien (Bücher, CDs, Bilder, Grafiken, Musik, Kasetten) für den privaten Gebrauch Kopien anfertigen darf. Dieses Recht soll mehr und mehr eingeschränkt werden.

 

1. Urheberrechtsnovelle
2. Aufnahmen aus dem Radio
3. Kopiergeschützte CDs
4. Digital Millenium Copyright Act

Derartige Kopien sind vorab bereits bezahlt, denn ein gewisser Obulus jedes Kopierers, jedes Druckers, jedes CD-Brenners und jedes Kasettenrekorders geht an die Verwertungsgesellschaften (VG Bild+Ton, GEMA etc.), um die Künstler auszuzahlen. Wieviel davon tatsächlich bei den Künstlern ankommen und wieviel davon in den Rädern der Verwertungsgesellschaften versickern, mag sich jeder selbst überlegen.

Das Recht auf die private Kopie klingt erst einmal ziemlich banal, hat jedoch auch einen praktischen Hintergrund. Wer spielt bei der aktuellen Qualität von Kasettenrekordern in Autos Original-Kasetten ab? Um Verlust vorzubeugen, sind Kopien erheblich sinnvoller. Die gerade eben erstandene CD läßt sich im Kasettendeck im Auto gar nicht abspielen, muß also zuerst auf Kasette kopiert werden. Genauso verhält es sich mit dem MP3- oder MD-Player, der während des Joggens verwendet wird, da paßt auch keine CD hinein.

Eigentlich sollte es egal sein, was ich mit den Medien anstelle, die ich kaufe, solange ich sie nicht unerlaubt vervielfältige und wieder unter das Volk bringe. Dennoch schreit die Medienbranche zeter und mordio und die Gesetzgeber beginnen bereits, dieses Recht einzuschränken.

Urheberrechtsnovelle

Theoretisch dürfen Bürger auch weiterhin Kopien von veröffentlichten Werken für ihren persönlichen Gebrauch herstellen. Tatsächlich schafft das neue Gesetz durch das Verbot der Umgehung von Kopierschutztechniken und Systemen zum "Digital Restrictions Management(DRM)" die Privatkopie im digitalen Bereich jedoch de facto ab. Wer seinem guten Recht nachgehe und trotz Kopierschutz kopiere, könnte sich künftig mit schmerzhaften Schadensersatzforderungen der Medienindustrie konfrontiert sehen.

Die Musikbranche rechnet damit, daß jeder verkaufte CD-Rohling für das illegale Kopieren von CDs verwendet wird und daß mit jedem Rohling ihr Gewinn schrumpft, weil die Leute sich die CD nicht mehr im Original kaufen. Vollkommen außer acht gelassen werden dabei die CDs, auf denen ein Datenbackup gemacht wird. Die Kopie der CD für das Autoradio, für unterwegs oder die völlig neu zusammengestellte coole CD für die Party am abend oder für den Urlaub werden dabei genauso übersehen. Realistisch sind die Berechnungen der Musikbranche schon lange nicht mehr.

Aufnahmen aus dem Radio

Was man früher, so vor 10 Jahren, selbstverständlich gemacht und sich kaum Gedanken darüber gemacht hat, ist rechtlich abgedeckt. Es ist erlaubt, für den privaten Gebrauch (Walkman, Musik-Session, Jogging, Party etc.) Aufnahmen aus dem Radio anzufertigen. Früher verwendete man dazu Kasetten, heutzutage hilft die Radio-Karte und ein CD-Brenner. Abgegolten wird das pauschal durch Aufschläge auf Kasetten und CDs, die an Rechteverwerter gehen.

Inzwischen sind immer öfter digitale Wasserzeichen im Gespräch, die auch im Radio übertragen würden. Aufnahmegeräte könnten diese erkennen und erst einmal den Dienst einstellen, weil die Hersteller auf die Rechte der Kunden pfeifen. Genauso könnten Kopierstationen das Kopieren versuchen zu verhindern und dem Anwender das Leben schwer machen.

Zukunftsszenario? Zur Zeit ja, aber wie lange noch? Digitale Wasserzeichen lassen sich in der Tat für das menschliche Ohr unhörbar auf Musik draufmodulieren. Die Qualität leidet nicht darunter.

Kopiergeschützte CDs

Mit jedem CD-Rohling und mit jeder Audio-Kasette erkaufen wir uns das Recht, unsere legal erworbenen CDs und Kasetten kopieren zu dürfen, sowie die unserer Freunde. Die Musikindustrie klagt seit einiger Zeit über rückgehende Umsätze und die künstlerische Qualität der sogenannten Top-Musik ist drastisch gesunken. Für die Musikbranche sind daran natürlich die Kunden schuld, die sich die CDs nicht mehr kaufen sondern die Musik nur noch kopieren.

Auf die Idee, daß die Qualität nachgelassen hat und daß "Top-Musik" ein Wegwerfprodukt geworden ist, das keinen geistigen Wert mehr hat, kommen sie erst gar nicht. Während sich Gruppen wie Hall & Oats oder Supertramp selbst gefunden haben und in ihrem Stil Musik machen, werden Bro'Sis und No Angles von Casting-Firmen zusammengestellt, um Chart-taugliche Musik zu machen, die sich ein paar Wochen, vielleicht ein Jahr hält und dann wieder in der Versenkung verschwindet.

Um ihre davonschwimmenden Fälle wiederzugewinnen, greifen immer mehr Firmen in der Musikbranche zu unlauteren Mitteln und pfeifen auf den Audio-CD-Standard. CDs mit sogenanntem Kopierschutz lassen sich nicht mehr in allen Laufwerken abspielen, z.B. in CD-Laufwerken im PC, so daß sie nicht mehr kopiert werden können. Dabei werden insignifikante Merkmale der Audio-CD ausgenutzt, die von vielen analogen Playern ignoriert werden, so daß die Musik dort immer noch gespielt werden kann.

Allerdings verhalten sich nicht alle CD-Player so und spielen auch "kaputte" CDs ab, sondern viele implementieren genau den Audio-CD-Standard und können daher diese CDs nicht mehr spielen, da sie nicht mehr standard-konform sind. Das Resultat ist "extreme Verärgerung", da viele neue CDs derartig kastriert sind und man erst Zuhause feststellt, ob die CD abgespielt werden kann oder nicht.

Man muß sich also schon im Laden vergewissern, daß man die CD zurückgeben kann und das Geld erstattet bekommt, wenn die CD nicht in den eigenen Laufwerken abgespielt werden kann. Solche CDs sind oftmals auch nicht mehr mit dem Audio-CD-Logo ausgezeichnet, wenn man genau hinsieht also auch als kaputte CDs zu erkennen. Bei Versendern im Internet muß man besser aufpassen, dort ist das Geld per Einzug schneller weg und ein Ansprechpartner schlecht zu finden.

In dieser Diskussion muß man die Situation allerdings genauer betrachten. Auf einer CD werden analoge Signale digital gespeichert. Um sie anhören zu können, müssen sie wieder in analoge Signale umgewandelt werden, damit die auf analogen Lautsprechern ausgegeben werden können. Dazu müssen die CDs zuerst gelesen werden. Wenn sie jedoch gelesen werden können, kann man die Signale auch woanders als auf den Lautsprecher leiten, z.B. auf eine zweite CD. Somit ist ein Kopierschutz nichts weiter als der Versuch eines Abspielschutzes. Und wenn man die CD nicht mehr abspielen kann, ist sie nicht einmal die Silberscheibe wert, auf der sie gepreßt ist.

Auf der anderen Seite sollte man jedoch auch überlegen, wie es sich tatsächlich mit CDs mit und ohne "Kopierschutz" und P2P-Angeboten verhält. Die aktuellen CDs in den Charts verkaufen sich wie warme Semmeln, mit und ohne Kopierschutz. Wenigstens in Deutschland gibt es da keine nennenswerte Unterschiede. Sobald jedoch eine Person es schafft, die Titel der CD zu kopieren und ins Netz stellt, sind sie in den Tauschbörsen verfügbar. Man findet alle aktuellen Titel ohne Probleme. Dennoch sinken die Zahlen der CD-Verkäufe der aktuellen Chart-CDs nicht signifikant. Möglicherweise sind Tauschbörsen doch nicht der Grund für die oft beklagten Probleme der Musikbranche?

Für einzelne Leute stellt sich allerdings die ärgerliche Frage bei einer CD mit Kopierschutz: Kaufen und sich ärgern oder nicht kaufen und sich in der Tauschbörse um die Ecke bedienen? Der Pseudo-Kopierschutz bewirkt zumindest einen Abspielschutz auf verschiedenen Geräten und ohne großartige Tricks oftmals auch das Kopieren auf den MP3-Player für unterwegs. In den Tauschbörsen findet man die Titel dennoch, und kann sie problemlos auf die gewünschten Medien kopieren. Schneidet sich die Musik-Industrie nicht in ihr eigenes Fleisch?

Interessanterweise sind wir mit diesem Problem in diesem Ausmaß nur in Deutschland geschlagen. In Britannien konnten sich derartig kaputte CDs nicht durchsetzen, die Proteste der Kunden waren zu groß. In den USA traut sich die Musikbranche auch nicht, derart kastrierte CDs auf den Markt zu werfen. Die Auswirkungen sind nicht nur im Privatbereich zu spüren, wo viele Leute aus Protest keine CDs mehr kaufen, sondern auch im Radio, wenn z.B. der geschwätzige Moderator sich lautstark darüber beschwert, daß er schon wieer eine CD einer interessanten Band bekommen hat, der er nicht abspielen kann.

Peer-to-Peer-Aktivitäten

Mit Peer-to-Peer-Netzwerken werden Dateien ausgetauscht. Die Teilnehmer kennen sich meistens nicht, tauschen jedoch Musik und Videos über das Internet aus. Mit dem Argument, sich digitale Filme und Musik aus dem Internet herunterladen zu können, wurden breitbandige Anschlüsse angepriesen und gefördert. Das wird jetzt gemacht und mit Hilfe von Tauschbörsen tauschen viele Nutzer digitale Filme und Musik aus.

Die Rechtevertreter wie RIAA und MPAA in den USA versuchen schon seit langem, gerichtlich gegen Anbieter digitaler Inhalte vorzugehen. Da das nicht so erfolgreich ist, sollen Institutionen per Software die Nutzer überwachen und genau feststellen können, wer wann welche Dateien mit wem austauscht. Ganz in Big-Brother-Manier sollen die Studierenden an amerikanischen Universitäten bei der Benutzung von

Digital Millenium Copyright Act

Der DMCA aus den USA ist ein ziemlich fieses Gesetzt, der das Veröffentlichen von Techniken und Methoden unter Strafe stellt, die dazu in der Lage sind, Kopierschutzmechanismen auszuhebeln. Bruce Perens durfte nicht öffentlich zeigen, wie er den Region-Code seines amerikanischen DVD-Players ab- bzw. umstellt, um sich die legal, jedoch in Britannien, gekaufte DVD anzuschauen.

Die Sache nimmt ziemlich bizarre Züge an, denn fortan ist es in den USA unter Strafe gestellt, mit den legal erworbenen Dingen zu tun und zu lassen, was einem beliebt, z.B. sich legal erworbene DVDs anzuschauen und anderen zu zeigen, wie das möglich ist.

So durfte z.B. auch der amerikanische Mathematikprofessor Edward Felten die Schwachstellen zweier digitaler Wasserzeichen nicht veröffentlichen ohne mit einem Gerichtsprozeß rechnen zu müssen. Genauso durften zwei Studenten keine Sicherheitslücken in der kommerziellen Lernplattform Blackboard aufdecken.

Mit der neuesten Urheberrechtsnovelle gibt es in Deutschland so etwas ähnliches nun auch. Es ist wohl noch erlaubt, sich eine Kopie anzufertigen, im Privaten, aber das Werkzeug, was unter Umständen dafür benötigt wird, z.B. bei einer "kopiergeschützten" CD oder DVD, darf nicht mehr veröffentlicht/vertrieben/beworben werden.