Linux-Magazin: Texten mit mpage

Komfortabler Druck von Textdateien

Texten mit mpage

Mit Hilfe des Programms mpage lassen sich Textdateien papiersparend ausdrucken. Dabei wird zuerst eine PostScript-Datei erstellt, welche ins Netz gestellt oder ausgedruckt werden kann. Daß mpage mehr als der n+1te ASCII to PostScript Konverter, beschreibt dieser Artikel.

Wer sich mit neuer bzw. unbekannter Software auseinandersetzt, der kommt des öfteren in die Verlegenheit, reine Textdateien ausdrucken zu müssen. Dokumentation liegt oft ausschließlich in Form von Manpages, Howtos und FAQs vor. Eher selten stößt man auf fertig formatierte TeX- oder PostScript-Dateien.

Viele Texte möchte man jedoch nicht direkt am Bildschirm lesen, sondern bevorzugt die gedruckte, herkömmliche Form. Früher bedeutete dieses, minutenlanges Rattern vom Nadeldrucker auszuhalten, um einen mittelprächtigen Ausdruck zu bekommen. Heutzutage gehört ein relativ leiser und schneller Tintenstrahldrucker, teilweise sogar ein kleiner Laserdrucker, schon zur Standardausrüstung eines Computerianers.

Reine Textdateien auszudrucken fällt in das Standardrepertoire eines jeden Linuxers. Wer hat nicht angefangen, sich die wichtigsten Manpages auszudrucken, um sie endlich zu verstehen? Bis zur Einrichtung von apsfilter mußte man sich mit damit zufrieden geben, bei relativ großer Schrift nur rund 60 Zeilen auf eine Seite zu bekommen.

Nach der Installation von apsfilter steht quasi ein PostScript-Drucker zur Verfügung. Daher können anschließend die verschiedenen ASCII-nach-PostScript-Konverter verwendet werden. Vertreter wie a2ps, atops und a2gs sind immerhin in der Lage, zwei Textseiten auf eine zu bringen. Die Schriftgröße ist dabei zwar kleiner, jedoch in den meisten Fällen völlig ausreichend. Zudem können sie meistens einen schön anzusehenden Rahmen um die einzelnen Seiten erzeugen sowie eine Kopfzeile mit Dateinamen, Datum und Seitenzahl.

Wie so oft, liegt auch hier der Teufel im Detail, denn diese Konverter sind meist nicht fähig, deutsche Umlaute korrekt darzustellen. Teilweise erscheinen auf dem Ausdruck merkwürdige Kombinationen von Strichen, teilweise fallen die Pünktchen auf den Vokalen einfach weg - für einen deutschen Text mit Umlauten eine ziemlich unbefriedigende Situation. Mit apsfilter wird zwar auch ein ASCII-Drucker installiert, der reine Textdateien samt deutschen Umlauten druckt, jedoch fehlt eine Kopfzeile und die Umlaute sehen etwas gekünstelt aus.

Abhilfe schafft mpage

Hier kommt mpage zum ersten Mal ins Spiel. Es erzeugt wie gewünscht schöne Kopfzeilen mit Datum und Seitenzahl. Außerdem kann man eine, zwei, vier und sogar acht Seiten auf ein Blatt Papier drucken (nein, die Blätter werden nicht mehrfach bedruckt). Daneben hat mpage die beste Unterstützung deutscher Umlaute, die ich bisher bei ASCII-nach-PostScript-Konvertern gesehen habe.

4 PostScript-Seiten
Abbildung 1: 4 PostScript-Seiten

Will man den Text einfach nur lesen und auf Papier vorliegen haben, dann bietet sich der doppelseitige Druck an. Benötigt man hingegen einen Probeausdruck oder einen Belegausdruck, der hauptsächlich zu Archivierungszwecken dient, dann ist vielleicht der vier-seitige Ausdruck die passende Wahl. Damit nicht genug, für Programmlistings oder zum Archivieren von Material eigenet sich ebenfalls die Möglichkeit acht Seiten auf einem Blatt Papier zu drucken. Es ist erstaunlich, aber man kann den Text noch lesen - auch ohne Lupe.

-2 Zweiseitiger Ausdruck
-4 Vierseitiger Ausdruck
-8 Achtseitiger Ausdruck
-H Header über jede Seite drucken
-O Zweiseitiger Druck, jedoch nur jede erste und vierte Seite (Vorderseite/Rückseite)
-E Zweiseitiger Druck, jedoch nur jede zweite und dritte Seite (Mittelseiten)
-o Schalter zur Steuerung, ob ein Rand um jede Seite gezeichnet werden soll. (default ist ja)
-v Schalter zur Steuerung, ob eine Seitenzahl gedruckt werden soll. (default ist nein)
-d[ap] Bestimmt, daß der Input als a(scii) bzw. p(ostscript) interpretiert wird
Tabelle 1: Die wichtigesten Optionen von mpage

Als besonderer Clou eignet sich mpage hervorragend zum beidseitigen Druck. Mit den Optionen -O und -E läßt sich steuern, daß beim doppelseitigen Druck nicht direkt aufeinanderfolgende Seiten gedruckt werden, sondern die erste und vierte auf einer und die zweite und dritte auf einer weiteren bzw. auf der Rückseite. Danach kann man das Papier in der Mitte knicken und erhält ein schönes Faltblatt.

Mehr als nur ein PostScript-Konverter

Damit sind die Fähigkeiten von mpage jedoch längst noch nicht erschöpft. Es soll Leute geben, denen sind auch Ausdrucke herkömmlicher PostScript-Dateien (z.B. von LaTeX) noch zu groß. Diese können mit mpage ebenfalls bearbeitet und genauso wie ASCII-Dateien verkleinert und mehrseitig gedruckt werden. Dazu muß dem Programm lediglich mit -dp angezeigt werden, daß es sich beim zu bearbeitenden Datenstrom nicht um ASCII, sondern um PostScript handelt.

8 PostScript-Seiten
Abbildung 2: 8 PostScript-Seiten sind auch kein Problem

Wer oft die gleichen Optionen benutzt, dem sei geraten, diese in der Variablen MPAGE festzuhalten, z.B. mit folgendem Befehlt aus der Datei ~/.profile:

MPAGE="-H -2"
export MPAGE

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem sei die Manualseite zu mpage ans Herz gelegt. Mpage ist zu finden auf SunSITE bzw. jedem beliebigem Mirror davon: ftp://sunsite.unc.edu/pub/Linux/system/printing/mpage24.tgz.

Martin Schulze
Quelle: Linux Magazin 12/97