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Mein eigenes Motto: Es geht nicht um Wahrheit, es geht um Wahrhaftigkeit.

(Ich halte den Wahrheitswahn für das gefährlichste, was einem menschlichen Gehirn passieren kann. Alle, natürlich ich auch, tendieren genau dazu, die eigene Wahrnehmung und Meinung für absolute Wahrheit zu halten. Ich finde das kontraproduktiv! Wahrhaftigkeit dagegen bedeutet für mich, dass ich mit Ehrlichkeit und Konsequenz meine Aussagen wahrnehme, korrigiere oder auch dafür hafte, wenn es nötig ist.)
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung gerade bei vielen Computerfreaks, die wohl irgendwie das binäre True/False -Denken in ihre Wirklichkeitssicht übernommen haben, dies halte ich für sehr gefährlich!
Dann hört man oft:
Vi ist viel schlechter als Emacs oder umgekehrt
FreeBSD ist viel besser als Linux.
KDE ist viel besser als Gnome
Jeder hält da seinen Standpunkt für das eigentlich Wahre, deshalb auch diese völlig allgemeinen "Ist"-Aussagen ohne deutliche Angabe für welche Personen, bei welchen Problemen, zu welchen Bedürfnissen, zu welchem Zeitpunkt, auf welchen Betriebssystemen. Genau dann werden diese Aussagen nämlich deutlich eingeschränkt, sie verlieren ihre Absolutheit, ihren Alleinvertretungsanspruch, ihre allgemeine Wahrheit zur Wirklichkeit. Die eindeutigen Wahrheiten werden in diesen Gebieten aber sehr, sehr häufig genau so vermittelt und die Art der Wortwahl ist dabei ein riesiger Teil des Problems, nicht etwas Unbedeutendes.
Ich halte dieses Eindeutigkeits-Denken und -Sprechen für ausgesprochen fruchtlos für Kommunikation. Mit der Wirkung, dass, statt selber etwas zu freier Software beizutragen, an der jeweils anderen benutzen Software häufig vom jeweils anderen herumkritisiert wird. Es geht dann aber nicht um eine ehrliche Auflistung der Probleme, sondern darum, den jeweils anderen zu seiner eigenen Sicht zu "bekehren" und das wollen Andere nun mal nicht so gerne. :)
Im Gegensatz dazu (ja, das ist ein Gegensatz) kann jemand ja zuhören und dann sagen, dass eine bestimmte Problemlösung sehr vorteilhaft für ihn sein könnte. Das wird aber durch harte, allgemeine Aussagen m.E. sehr erschwert. Vergessen wird dabei auch so leicht, dass die Autoren freier Programme einen grossen Teil der Freizeit für die Allgemeinheit einsetzen, indem sie Wünsche von anderen Usern in das Programm einflechten. Und es gibt eben nicht einen Weg zum Computer-Glück, sondern jeder muss selber seinen Weg aus dem Chaos finden. Das ist schwer genug, eine Schelte wegen schlechtem Geschmack hilft keinem, aber vielleicht fühlt sich der Scheltende ja dann besser, weil er mal wieder die Wahrheit hat, während andere immer noch im Dunkel tappen.
Ich hoffe, ich falle immer weniger auf den Kardinalfehler herein, meine Wahrheit für allgemeingültig zu halten, aber ich fürchte, Ich möchte auch am liebsten, dass alle die gleiche Weltsicht haben wie ich. Nur wäre das Leben doch sehr langweilig, wenn mein Wunsch in Erfüllung ginge.
Die fanatische Behauptung einer geglaubten Wirklichkeit ( ich meine natürlich die eigene "Erkenntnis einer geglaubten angeblichen Wahrheit") hat auch noch keinen zu Unix gebracht, sie hat aber viele abgestossen. Insofern hoffe ich, dass sich die Unix-Fanatiker so lange die Zähne abstossen, bis sie ihre Wahrheit nicht für allein-seligmachend halten.
Unix und die Zukunft
Ich möchte nicht blind für die Zukunft sein, aber auch die Vergangeheit ehren, soweit sie mir ehrenswert erscheint.
Unix lieben heisst auf jeden Fall die Vergangenheit des Computerzeitalters ehren. Inwieweit Unix die Zukunft gehört, weiss ich nicht und lässt sich sicher auch schwer abschätzen. Dass Microsoft an Einfluß verliert, kann ich nicht feststellen im privaten Bereich. Unix bietet auch viel zu wenig Spezialsoftware außerhalb des Serverbereiches, zu wenig Spiele, kaum Edutainment-Software, kein ordentliches Spracherkennungssystem bis lang. Zudem sollte auch bedacht werden, dass Menschen sich nicht gerne von einem Betriebssystem trennen, für das sie teure Software gekauft haben, die sie nicht weiter bei einem Anderen verwenden können.
Das grösste Problem bei Unix mit einem Superuser, der alles darf, wird durch neue Mechanismen wie z.B denen von SE Linux und Trusted BSD und anderen freie Unixe wahrscheinlich erheblich entschärft werden.
Linux, Free-Bsd, Open BSD, Net-Bsd und Hurd sind hoffnungsvolle Hinweise, dass freies Unix auf jeden Fall eine Rolle in der Zukunft spielen kann. Zumindest hoffe ich das, weil hier "die Luft nach Freiheit riecht" und weil das Internet erst durch Unix entstanden ist.